Islandpferde in der Zucht und im Reitsport
Rasseinformationen
"Islandpferde sind die besten Pferde der Welt" - mit diesen Worten leitete mein erster Islandpferde Reitlehrer seinen Vortrag vor zwanzig Jahren ein. In der Tat haben Isländer einiges an Superlativen zu bieten: sie sind die einzige Pferderasse der Welt, die über fünf Gangarten verfügt, nämlich neben den bekannten Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auch noch über die Spezialgangarten Tölt und Rennpass.
Durch einen Beschluss der isländischen Ratsversammlung Altthing vor über 1000 Jahren ist der Import von Pferden nach Island bis heute verboten - ein weltweit einmaliges Reinzuchtprogramm, das aus der Furcht der auf die Pferde angewiesenen, isländischen Bevölkerung vor Tierseuchen entstand. Die kleinen, starken Islandpferde waren in Island nicht nur die wichtigsten Transport- und Fortbewegungsmittel sondern sind bis heute auch Fleischlieferanten. Der Pferderasse kam auch diese Zuchtauswahl mit Messer und Gabel zugute: wertvolle Reit- und Zuchtpferde landen schliesslich nur im Notfall oder bei Gebrauchsunfähigkeit im Kochtopf.
Reiter und freilaufende Pferde am See Hóp
Über das Jahrtausend wurden bestimmte Eigenschaften bei Islandpferden gefördert und gewünscht, die durchaus auch einem Zeitgeschmack unterworfen waren. Auffallend ist der gute Charakter der Isländer die dafür bekannt sind, dass sie - eine artgemässe Aufzucht und Haltung vorausgesetzt -kaum jemals Unarten zeigen wie buckeln, steigen oder ausschlagen. Auch Ausritte in grösseren Gruppen sind gar kein Problem weil Isländer im Herdenverband geboren werden, aufwachsen und idealerweise auch leben - sie lieben es mit Artgenossen gemeinsam ausgeritten zu werden.
Die Spätreife der Islandpferde, die traditionell auch erst im Alter von vier bis fünf Jahren angeritten werden, wird durch ihre lange Lebenserwartung von 30 Jahren und mehr leicht ausgeglichen. Bis zum Alter von 26 oder 27 Jahren können Isländer meisst noch geritten werden - wenn auch dann nur noch von kleinen, leichten Reitern. Ein erfahrenes, älteres Islandpferd zu reiten ist häufig ein grosser Spass weil die Reiter sich auf die Natur und die reiterliche Gemeinschaft konzentrieren können, während ihr Islandpferd routiniert und willig mit ihnen zusammenarbeitet.
Pause am See
Die flotten Isländer sind zu jeder Jahreszeit reitbar. Für Ausritte in Eis und Schnee erhalten die Islandpferde Spezialbeschläge, nämlich Hufeisen mit sogenannten Stollen und Hufgripp, eine Gummiwulst die den Schnee aus dem Eisen herausdrückt. Einige Jahre lang konnte man in Deutschland Eisturniere bewundern die, anders als in Island, nicht auf zugefrorenen Seen ausgetragen wurden sondern in Eissporthallen. Die Islandpferde werden hierzu noch mit speziellen isländischen Eisnägeln beschlagen, die ihnen Halt auf dem gefrorenen Untergrund geben.
In Rutenmühle wurden einige isländische Traditonen bewahrt, u.a. werden unsere Isländer in der Herde geboren und erst im Alter von vier Jahren gezähmt. Bedingt durch diese traditionelle Aufzucht ist es nicht möglich, Jungpferde am Halfter umzuweiden - sie werden bei uns noch mit Reitern getrieben. Der jährliche Weideaustrieb der Islandpferde Herden Anfang Mai ist ein unglaubliches Schauspiel: Herden von 30, 40 Islandpferden tölten, traben und galoppieren hinter einem gerittenen Pferd her - kaum denkbar mit einer anderen Pferderasse..
Ein interessanter Link zu einer Fotogalerie über isländische Reittouren: Rutenmühle - Island




