#15.02.2009Rutenmühle 1936
In dieser Woche erreichte uns eine Email mit einem Rutenmühle-Foto, das Frau Hansa Lankenau aus Bremen 1936 geschossen hatte. Über die Fotografin und die Entstehung des Fotos wurde mir freundlicherweise berichtet.
Rutenmühle über den Mühlenteich fotografiert

Fotografin: Hansa Lankenau, gest. 1984
Die Rutenmühle 1934 - von Hansa Lankenau fotografiert
Die Fotografin
Die Fotografin, Frau Hansa Lankenau, entstammte einer alten, angesehenen Bremer Familie. Frau Lankenau galt als reiselustig und war sehr naturverbunden. Sie wanderte gern und bevorzugte dabei das weite Umfeld von Bremen: das Teufelsmoor, Worpswede, die Lüneburger Heide, Grafschaft Hoya und auch die Nordseeinseln. Auf einer ihrer Wanderungen im Jahr 1936 dürfte das Foto von Rutenmühle entstanden sein.
Frau Lankenau verstarb mit 79 Jahren 1984. In ihrem Nachlass wurde, über 70 Jahre nach seiner Entstehung, dieses schöne, historische Foto gesehen das jetzt seinen Weg zurück nach Rutenmühle gefunden hat.
Der historische Hintergrund
Das Foto wurde von der kleinen Landzunge hinter der Mühlenbrücke aus aufgenommen und zeigt rechts noch das alte Müllerhaus mit Turm, das schon vor Jahrzehnten abgebrannt ist sowie die Scheune, die 1987 ebenfalls ein Raub der Flammen wurde und zuletzt als Pferdestall diente. Das herrschaftliche Müllerhaus war früher die Verlängerung des Rinderstalles und reichte bis an den Mühlenteich. Die junge Frau Lankenau hat vermutlich auf Ihrer Wanderung in der Gaststätte der Müllersleute Einkehr gehalten, die damals wohlhabende Leute waren - immerhin hatten Sie ein Monopol auf die Getreidemüllerei und wurden von allen Bauern der gesamten Gegend beliefert. Nachdem das Müllerhaus mit dem Rinderstall abgebrannt war, zogen die letzten Bewohner fort. Rutenmühle mit der Brandruine wurde an den Bremer Landwirt Johann Seekamp verkauft.
Seekamp stammte wie Frau Lankenau aus Bremen - ihm gehörten die Ländereien, auf denen das Bremer Autobahn Kreuz gebaut wurde. Von der Abfindung für seine Ländereien erwarb Johann Seekamp Rutenmühle und Hartbön um zusammen mit seiner Familie, insbesondere seinem Sohn und Erben Jan Dirk, hier weiter als Landwirt zu leben und zu arbeiten. Auf dem Schutthügel des abgebrannten Müllerhauses wurde eine Warft aufgeschüttet und der Holzbungalow gebaut. Auch der abgebrannte Rinderstall wurde von Johann Seekamp wieder neu als Niedersächsischer Ständerstall errichtet. Vom Brand war nur die zur Strasse hin stehende Mauer übrig geblieben.
Jan Dirk Seekamp verunglückte bei einem Verkehrsunfall, wodurch die Zukunftspläne von Johann Seekamp für Rutenmühle sich zwangsläufig änderten. Seekamp verpachtete den landwirtschaftlichen Betrieb und nach und nach auch drei ehemalige Häuslerhäuser der Mühlenarbeiter an Hannes. Hannes Diepold ist seit 1971 in Rutenmühle - und betreibt einen der wohl ältesten Islandpferdehöfe in Deutschland auf dieser schönen, historischen Mühlenhof Anlage mit den unter Denkmalschutz stehenden Stallgebäuden. Die abgebrannte Scheune wurde als Mehrzweckhalle/Reithalle schliesslich neu erbaut und Johann Seekamp gewidmet.
Rutenmühle und seine Bewohner heute
Im Alter bekam Johann Seekamp Probleme mit seinen Hüftgelenken und sah sich zur zur Operation gezwungen. Mit dem Ergebnis des Eingriffs war er so zufrieden, dass er seinen Chirurgen, Götz von Förster, im Herbst zur Entenjagd an den Mühlenteich einlud. Als der die damals völlig verfallene und verdreckte Wassermühle sah, die zuletzt bis zu dessen Tod als Hundehütte diente und von Tauben und Nagetieren bewohnt war wurde er schnell mit Johann Seekamp handelseinig und pachtete sie für Jahrzehnte. Bis heute nutzt die Familie von Förster mit den drei verheirateten Kindern und Enkeln das grosse, inzwischen sehr schön restaurierte Mühlengebäude als Wochenend- und Urlaubsresidenz.
Als junge Frau kam Christa nach Rutennmühle um hier auf Islandpferden bei Hannes zu reiten. Sie verliebte sich in ihr Pferd Hrollur und den Mühlenhof und pachtete später zusammen mit ihrem Mann Rüdiger Winter und ihren beiden Kindern von Johann Seekamp ein verfallendes Häuslerhaus direkt am Hahnenbach, in dem nach dem Krieg Flüchtlingsfamilien untergebracht worden waren. Jahrelang verbrachte die junge Familie ihre Wochenenden und Ferien in der daneben ausgebauten kleinen Garage und entkernte das alte Gebäude bis es zum Wiederaufbau bereit war - und jetzt sehr schmuck dasteht.
Heute lebt Johann Seekamps Tochter Beke im Bungalow am Mühlenteich und deren Kinder in Hartböhn. Johann Heinrich Kath, Bekes Sohn, erbte inzwischen von seinem verstorbenen Grossvater Johann Seekamp Rutenmühle und Hartbön und bewirtschaftet die Wälder - so, wie es der Grossvater Johann dem kleinen Johann Heinrich schon als Kind geraten hatte.
Der eigentliche landwirtschaftliche Betrieb mit den Stallgebäuden und drei ehemaligen Mühlenarbeiter-Häusern wurde über die letzten 38 Jahre erhalten und kontinuierlich ausgebaut, ohne die historischen Gemäuer äusserlich zu verändern. Heute bietet der Isländerhof Rutenmühle acht Gästefamilien Ferienwohnungen und Reiterurlaub sowie Pensionspferdehaltung an.
Ein weiter Zeitbogen den ich hier gespannt habe, angeregt durch die sehr gelungene Aufnahme einer lange verstorbenen Fotografin, deren Interessen und Hobbies zum Teil auch die meinen sind. Herzlichen Dank für die Übersendung! Das Foto hat in der historischen Galerie seinen Platz gefunden.